Das war die Kulturnacht 2016

Von 18:00 Uhr bis 0:00 Uhr
Thema: „Freischwimmen“

Das Thema „Freischwimmen“ wurde auch im Gedenkstättenkomplex am Moritzplatz aufgegriffen: freischwimmen – frei schwimmen – sich freischwimmen. Von gesellschaftlichen Zwängen, von staatlichen Zwängen, von Einengung. Angst überwinden, keine Angst zeigen, Ängste teilen.

Die Podiumsdiskussion griff dieses Thema auf. Mit einem Input durch Jörg Stoye, Leiter der Außenstelle Magdeburg der BStU, wurde das Publikum mit interessanten Erkenntnissen aus der Analyse von Stasi-Akten bekannt gemacht. Wie und warum wurden IM angeworben oder warum ließ die Stasi Anwerbeversuche von sich aus wieder fallen? Dazu zählten „Hinderungsgründe“ wie Schwatzhaftigkeit oder Naivität oder 24 Vorstrafen aber auch ablehnende Haltung bzw. Desinteresse an regelmäßigen Treffs.

Dann gab es jedoch einen Anteil versuchter Werbungen, die durch die angesprochenen Personen verhindert wurden, indem sie diese Anwerbungsversuche öffentlich machten. So im Falle des Podiumsgastes Gerhard Miesterfeld, dem ehemaligen Landtagsvizepräsidenten. Der Domprediger i. R., Giselher Quast als nächster Podiumsgast, hatte von anderen Erfahrungen zu berichten. Er wurde seinerseits von mehr als 30 IM unter Kontrolle gehalten und ausspioniert. Und beim Studium seiner Stasi-Akte stieß er darauf, dass man vorhatte, ihn selbst als IM anzuwerben. „Das hat mich im Nachhinein noch wütend gemacht“, so Giselher Quast.

Podium

Das Publikum im gut gefüllten Veranstaltungsraum fragte interessiert, einige Besucher machten sich Notizen. Dr. Kai Langer (Stiftung Gedenkstätten des Landes Sachsen-Anhalt) moderierte den Abend.

Der Hof der ehemaligen UHA füllte sich von Beginn an laufend mit Besuchern, die die beklemmende Atmosphäre des Ortes in sich aufgenommen haben und sich zu den jeweiligen Führungsterminen sammelten. Aufgrund der Nachfrage wurden immer zwei Gruppen zeitgleich geführt.

Hof Publikum

Im ehemaligen Einlieferungsgebäude, in das jetzt die Infothek des Gedenkstätten-komplexes eingezogen ist, gab es zusätzlich einen Bücherflohmarkt und viele Info-Angebote.

WachturmDer angestrahlte Wachturm und der beleuchtete Hof sowie die feinfühlige Live-Musik von Wolfgang Mader schufen eine beeindruckende Atmosphäre.

Viele Gespräche mit den Besuchern gingen über den Ort und den Abend hinaus, es kamen Fragen zu Schuld und Versöhnung, zu strafrechtlicher Verarbeitung, aber auch zu Bildungsangeboten.

Es ist nicht zu viel gesagt, wenn wir über einen guten Abend mit vielen Möglichkeiten zum Sehen, Reden, Hören sprechen  – und wenn der eine oder andere das Wort Freischwimmen neuerdings mit zusätzlichen Inhalten füllt.


Fotos: Dokumentationszentrum