Nachlese zur Eröffnung vom 6. September „NVA-Soldaten hinter Gittern. Der Armeeknast Schwedt“

Eine Ausstellung des Stadtmuseums Schwedt in Zusammenarbeit mit dem Verein Militärgefängnis

„Ab nach Schwedt“
Da war ein junger Soldat in der DDR, ein Wehrpflichtiger von 18 Jahren. Als dessen Mutter verstarb, wollte er natürlich zur Beerdigung. Die Ablehnung des Ersuchens auf Urlaub kam zu seiner Trauer hinzu. Verzweifelt nutzte der junge Mann die nächste Gelegenheit zur Flucht aus seinem NVA-Standort. „Fahnenflucht“, so nennt man das. Und: „Ab nach Schwedt“ war die Konsequenz, die sich für ihn daraus ergab. Wenn der heute gestandene, erwachsene Mann beim Schildern dieses Lebensabschnittes mit den Tränen zu kämpfen hat, kann man ansatzweise erahnen, was  drei Monate in der Disziplinareinheit Schwedt bedeutet haben. Heute ist das ein verschwiegenes Schicksal von vielen. Dieser Mann war nicht unter den Besuchern der Eröffnungsveranstaltung am 6. September, er kann diesen Teil seines Lebens nicht verarbeiten, möchte diesen Teil seines Lebens am liebsten vergessen.

Detlef Fahle

Zahlreiche andere Besucher haben den Weg zur Eröffnung der Ausstellung in den Veranstaltungssaal der Gedenkstätte gefunden. Detlef Fahle (Jg. 1963), der Vorsitzende des Vereins DDR-Militärgefängnis Schwedt e. V.  hat über die Geschichte des Armeeknastes gesprochen. Die in Brandenburg gelegene Stadt Schwedt stand seit 1968 als Synonym für den Armeeknast der DDR. Und 1982 kam zum Militärgefängnis eine sogenannte Disziplinareinheit der Nationalen Volksarmee hinzu, die zwischen 1982 und 1990 Teil des militärischen Repressionsapparates zur Durchsetzung von Gehorsam und Konformität in den DDR-Streitkräften war.
Ein 3D-Modell hat es den Besuchern ermöglicht, einen virtuellen Rundgang durch den so nicht mehr vorhandenen Komplex zu unternehmen. Detlef Fahle „führte“ über das Gelände, erläuterte, beantwortete Fragen.

In der Diskussion konnten weitere Fragen der Besucher geklärt werden, es gab Ergänzungen und Statements, einzelne Erfahrungsberichte und Gespräche nach der Veranstaltung.

Diskussion


Im Rahmen der Ausstellung findet am 25. Oktober, 18:00 Uhr eine Podiumsdiskussion mit Zeitzeugen statt. Für das Impulsreferat mit dem Titel „Ab nach Schwedt! Militärgerichtsbarkeit und Armeeknast in der DDR“  konnte Rüdiger Wenzke, leitender wissenschaftlicher Direktor am Zentrum für Militärgeschichte und Sozialwissenschaften der Bundeswehr Potsdam, gewonnen werden.


Die Ausstellung: 17 Rollups, Objekte, Audiostationen
Ausstellungsdauer: bis 4. November 2018


Fotos: Bettina Wernowsky

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