Bekanntes und Neues in der Bibliothek

Rauchende Schlote, Menschen in Kittelschürze und Blaumann in der Hauptstadt der DDR schlug das industrielle Herz des Arbeiter- und Bauernstaates. Der Fotograf Günter Krawutschke kannte die Welt der vielen kleinen und großen Industriebetriebe Ostberlins und der DDR wie kein anderer. Seine Aufnahmen vermitteln ungeschönte und teils intime Einblicke in diese längst verschwundene Welt: Sie dokumentieren emotionale Momente und starke Charaktere vor dem nüchternen Hintergrund des harten Arbeitsalltags. Viele der über 170 beeindruckenden Fotografien wurden zu DDR-Zeiten nie veröffentlicht.

Wir möchten Sie hier auf einige aktuelle Neuanschaffungen unserer Bibliothek aufmerksam machen. Und auf interessante Bücher, die wir sonst noch im Bestand haben…


Die Generation der Wendekinder
Elaboration eines Forschungsfeldes
Hrsg.: Adriana Lettrari, Christian Nestler, Nadja Troi-Boeck; Springer VS, Berlin 2015

Seit 2011 stehen Wendekinder, als letzte partiell in der DDR sozialisierte Gruppe, welche sich in Teilen selbst als Dritte Generation Ostdeutschland bezeichnen, im Fokus der Öffentlichkeit. Mit diesem Band liegt eine transdisziplinäre Betrachtung des Phänomens vor. Dabei wird das Forschungsfeld in den Dimensionen Diskurs, Typen und Positionierung(en) kartiert. Im zweiten Moment ist durch die Bildung eines Analyserasters, dem Rostocker-Generationen-Modell, eine Betrachtung der Frage nach dem „Zusammenwachsen“ der beiden deutschen Staaten gelungen. Die Vielfalt der Beiträge verdeutlicht eine initiale Erkenntnis: Es handelt sich bei den Wendekindern um eine hochgradig diverse Generation, welcher jedoch aufgrund ihrer doppelten Sozialisation eine ausgleichende triangulierende Vermittlerposition zukommt. (Verlagsinfo)


Die anderen Leben
Generationengespräche Ost
Sabine Michel, Dörte Grimm; be.bra Verlag, Berlin 2020

Wenn der Staat DDR kritisiert wird, fühlen sich oft auch die Menschen kritisiert, die in ihm gelebt haben. Das macht Gespräche innerhalb von Familien über ihr Leben in der DDR so schwierig. Viele schweigen bis heute, doch in ihrem Schweigen wächst die Wut. Auf Initiative der Filmemacherinnen Sabine Michel und Dörte Grimm wagen Kinder und Eltern aus ganz unterschiedlichen Verhältnissen erstmals eine Auseinander-setzung mit der eigenen Geschichte. Diese Gespräche ermutigen, neu und ohne Vorwürfe miteinander ins Gespräch zu kommen. Zugleich helfen sie, aktuelle politische Entwicklungen in Ostdeutschland anders und besser zu verstehen, in dem sie den Blick öffnen für die Spätfolgen des Lebens in insgesamt drei politischen Systemen. (Verlagsinfo)


Mit der Schwalbe zur Datsche
Wörter aus einem verschwundenen Land
Antje Baumann; Dudenverlag, Bibliograph. Instit. GmbH, Berlin 2020

30 Jahre wiedervereinigtes Deutschland – und welche Rolle spielt der Sprachgebrauch der DDR heute noch? Was wirkt nach und verstehen Ost- und Westdeutsche unter „Pionier“ das Gleiche? Ausgehend von DDR-typischen Wörtern und Wendungen zeigt dieses Wörterbuch deren spezifische Bedeutung für ein Leben in der DDR anhand von Erklärungen, Kontexten und Kommentaren. Damit begegnet es der Vorstellung, in der DDR sei eine wirklich andere deutsche Sprache gesprochen worden. Andererseits zeigt es, dass mit den einzelnen Wörtern ganz andere Konzepte verbunden waren. Eine Art DDR-typisches Lexikon hinter der Wortoberfläche. (Klappentext)


Ost Places
Vom Verschwinden und Wiederfinden der DDR
Andreas Metz; Neues Leben, Berlin 2019

Dreißig Jahre nach der Wende ist Andreas Metz im Osten Deutschlands auf Motivsuche gegangen: Was ist noch zu finden aus den vierzig Jahren Lebens- und Alltagskultur der untergegangenen DDR? Was an DDR-Architektur wurde erhalten, was stillschweigend oder absichtsvoll dem endgültigen Verfall preisgegeben? Wo gab es Denkmalstürmerei, wo gibt es Denkmalpflege? Was fand selbstverständlichen Eingang in die gelebte Gegenwart? Sensibilität und Entdeckerlust prägen seinen fotografischen Blick. Der umfangreiche Bildband »Ost-Places« ist eine Spurensuche durch die ehemalige DDR, vom Haus des Lehrers am Berliner Alexanderplatz, über den »Teepott« in Warnemünde und die Plattenbauten in Halle-Neustadt bis zum Karl-Marx-Kopf in Chemnitz. Dabei erzählen die Bilder auch von einem Wettrennen gegen die Uhr: Motive verschwinden, weil Gebäude abgerissen, eine Inschrift oder ganze Wandgemälde übermalt wurden. Ost Places werden zu Lost Places. Aber auch das: Da biegt überraschend eine »Schwalbe« um die Ecke, werden Jugendweihen gefeiert, treffen sich Alt und Jung bei der Traditionsdemo nach Berlin-Friedrichsfelde. Mit präzisen und zugleich ungeschönten Fotografien gibt der Bildband »Ost Places Vom Verschwinden und Wiederfinden der DDR« einen Einblick in eine untergegangene Welt, die bis heute nachwirkt. Die Bilder von Andreas Metz fangen Geschichte von gestern ein und erzählen Geschichten von heute. Der gesamte Text des Buches ist zweisprachig verfasst (Deutsch und Englisch). (Verlagsinfo)


Gesichter der Arbeit
Fotografien aus Industriebetrieben der DDR – fotografiert von Günter Krawutschke
Joseph Hoppe (Autor), Bernd Lüke (Autor), Jörg Rüsewald (Autor), Günter Krawutschke; be.bra Verlag, Berlin 2020

Rauchende Schlote, Menschen in Kittelschürze und Blaumann. In der Hauptstadt der DDR schlug das industrielle Herz des Arbeiter- und Bauernstaates. Der Fotograf Günter Krawutschke kannte die Welt der vielen kleinen und großen Industriebetriebe Ostberlins und der DDR wie kein anderer. Seine Aufnahmen vermitteln ungeschönte und teils intime Einblicke in diese längst verschwundene Welt: Sie dokumentieren emotionale Momente und starke Charaktere vor dem nüchternen Hintergrund des harten Arbeitsalltags. Viele der über 170 beeindruckenden Fotografien wurden zu DDR-Zeiten nie veröffentlicht. (Verlagsinfo)


Der Hammermord am Hansering
Authentische Kriminalfälle
Bernd Kaufholz; Mitteldeutscher Verlag, Halle 2020

… Zehn neue Kriminalfälle hat der »Oberkommissar ehrenhalber« (Bernd Kaufholz) aufgearbeitet. Alles DDR-Verbrechen aus dem ehemaligen Bezirk Halle, in denen die Kriminal­polizei zwischen 1959 und 1986 ermittelte: ein Kindermord an einem achtjährigen Mädchen in Dessau, eine schreckliche Enthauptung in Halle und ein grausamer Mord auf einem LPG-Hof bei Naumburg. Gewohnt realistisch schildert der Autor die Kriminalfälle im Detail, beschreibt die Motive der Täter und charakterisiert Zeugen und Opfer. Fotomaterial aus den Ermittlungsakten ergänzen die Sammlung. … (unter Verwendung des Verlagstextes)