Bekanntes und Neues in der Bibliothek

Wir möchten Sie hier auf einige aktuelle Neuanschaffungen unserer Bibliothek aufmerksam machen. Und auf interessante Bücher, die wir sonst noch im Bestand haben…




Das Jahr 1990 freilegen
Jan Wenzel (Herausgeber); Spector Books, Leipzig 2019

Vergleicht man die Jahre 1989 und 1990, zeigt sich, dass sie in der kollektiven Erinnerung höchst unterschiedlich präsent sind. Die Meisten können sich das Jahr ’89 rasch ins Gedächtnis rufen. Auch mit dem Abstand von knapp dreißig Jahren fällt es leicht, die Abfolge der Ereignisse dieses Herbstes zu erzählen – alles verdichtete sich hier auf wenige, hochdramatische Wochen. 1990 dagegen wirkt in der Erinnerung wie ein blinder Fleck. Das Gedächtnis, von den sich überschlagenden Ereignissen ebenso gefordert wie von unerfüllten Wünschen und nicht eingestandenen Kränkungen fasst ein solches Jahr nur schwer. Das Jahr 1990 freilegen beschäftigt sich mit den verschiedenen Aspekten des Jahres 1990 und ihrer Aktualität. Es montiert Bilddokumente und Stimmen aus dem Jahr 1990 mit essayistischen Reflexionen und Geschichten, in denen aus der Perspektive der Gegenwart auf dieses Jahr zurückgeschaut wird. (Verlagstext)


Welche »Wirklichkeit« und wessen »Wahrheit«?
Das Geheimdienstarchiv als Quelle und Medium der Wissensproduktion
Thomas Großbölting/ Sabine Kittel (Hg.); Vandenhoeck & Ruprecht, Göttingen 2019

Was lesen wir in Akten von Geheimdiensten? Welche »Wirklichkeit« und wessen »Wahrheit« lässt sich daraus rekonstruieren? Ob Akten der Staatssicherheit der DDR oder Aufzeichnungen des Verfassungsschutzes – Geheimdienstakten sind dadurch geprägt, dass ihre Verfasser die Welt als »Feind« wahrnehmen. In den Quellen der Dienste wimmelt es dementsprechend von Spionen, Konterrevolutionären oder kommunistischen Infiltranten, die den jeweils eigenen Staat in seiner Existenz zu gefährden drohen. Diese Perspektivverzerrung wird verstärkt durch die Aura des Geheimen: Geheimdienstliche Tätigkeit findet jenseits von Debatte, Kritik und Korrektur statt. Wie es gelingt, diese spezifisch geprägten Quellen dennoch für die Forschung und einen Erkenntnisgewinn zu nutzen, zeigen die Beiträge des Sammelbandes. Die Autorinnen und Autoren diskutieren vor ihrem jeweiligen disziplinären Hintergrund, wie geheimdienstliche Sprache und Eigenlogiken die Wahrnehmung von Ereignissen und Handlungen sowie die daraus abgeleiteten Strategien prägten. (Verlagstext)


Heute: Haus der Erziehung: Der Strafvollzug der DDR in Torgau 1950 bis 1990
Wolfgang Oleschinski/ Julia Spohr; Sandstein Verlag, Dresden 2019

Über den Strafvollzug in DDR-Gefängnissen wurde in der SED-Diktatur nur hinter vorgehaltener Hand gesprochen. Vor allem über die Rolle Torgaus als Standort von Gefängnissen und Lagern im 20. Jahrhundert wurde lange hinweggesehen. Erst nach 1989/90 drangen Informationen über das Schicksal von Strafgefangenen in Torgau an die Öffentlichkeit. Mit dem Band wird nun eine umfassende Geschichte der »Strafvollzugseinrichtung Torgau« des Ministeriums des Innern vom Neubeginn 1950 bis zur Wiedervereinigung 1990 vorgelegt.
Das abgeschottete Leben der Inhaftierten hinter den Gefängnismauern wird anhand von Dokumenten, Zeitzeugenberichten und Häftlingsbiografien nachgezeichnet. Die politischen Ziele des Strafvollzugs und dessen Wirkung auf den Einzelnen, die Zusammen-setzung der Häftlingsgesellschaft sowie die Rolle und das Wirken des Ministeriums für Staatssicherheit im Torgauer Strafvollzug stehen besonders im Mittelpunkt. Kapitel zum Häftlingsfreikauf durch die Bundesrepublik Deutschland, zu Amnestien und zum Ende des DDR-Strafvollzugs in Torgau 1989/90 runden den reich bebilderten Band ab. (Verlagstext)


DT64. Das Jugendradio aus dem Osten 1964-1993
Thomas Gaevert; Hrg. Landeszentrale für politische Bildung Thüringen, 2018

DT64 war das Jugendradio der DDR. Von 1964 bis Anfang der 1990er-Jahre begleitete die Musik von DT64 das Erwachsen-werden der Hörerinnen und Hörer. Musik aus West und Ost, Reportagen und etwas Lebensberatung machten den Erfolg des Programms aus. Lesen Sie hier von den Bedingungen auf dem Weg zu diesem Erfolg: von der schwierigen Beschaffung von Musiktapes bis hin zu den Reibereien mit der Politik der SED und der täglichen Herausforderung, vor einem kritischen Publikum zu bestehen. (Text Herausgeber)


Meine freie deutsche Jugend: Eine Graphic Novel nach dem Bestseller von Claudia Rusch
Thomas Henseler/ Susanne Buddenberg; Ch. Links Verlag, Berlin 2020

Claudia (*1971) wächst in der DDR-Bürgerrechtsbewegung auf. Zu den engsten Freunden ihrer Mutter gehören bekannte Regimekritiker. Die Familie lebt unter ständigen Repressalien und Überwachung durch die Stasi. Claudia erfährt, was es heißt, einem exklusiven Club anzugehören, obwohl sie manchmal gern wie alle anderen wäre. Sie erlebt Ausgrenzung und Eingesperrtsein, aber auch Freundschaft, Solidarität und wie ein kandierter Apfel beinahe eine Verhaftung nach sich gezogen hätte. Es geht um die erste Liebe, mutige Aktionen, heilige Strickjacken und das Erwachsenwerden im Schatten der Mauer. Eine fast normale, glückliche Kindheit – unter nicht ganz glücklich zu nennenden Umständen.
Thomas Henseler und Susanne Buddenberg haben den autobiografischen Bestseller von Claudia Rusch in einen facettenreichen, ausdrucksstarken Comic umgesetzt. (Verlagstext)


Born in the GDR – angekommen in Deutschland: 30 Lebensberichte nach Tonbandprotokollen aus Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen
Uta Heyder (Hrg.); Bussert u. Stadeler, Jena 2019

Vor dreißig Jahren änderten Friedliche Revolution, Mauerfall und Deutsche Einheit in kürzester Zeit unser Lebensumfeld, wir konnten, wir mussten unser Leben neu gestalten, Heraus-forderungen annehmen, um in einem »fremden« Land, das nun unseres werden sollte, unseren Platz zu finden. Es ist an der Zeit, die Geschichte und ihre Geschichten zu erzählen. Uta Heyder ist es gelungen, dreißig Männer und Frauen aus Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen dazu zu bringen, sehr persönlich zu berichten, wie sie ihre Wende und die drei Jahrzehnte danach erlebten. Alle haben ungefähr die gleiche Zeitspanne in der DDR und im wieder vereinigten Deutschland gelebt und sind hier wieder oder immer noch zu Hause. Sie erzählen von gewonnener Freiheit und neuen Beschränkungen, von wirtschaftlichem Erfolg, von Unsicherheit und Existenzangst oder vom Abstieg in die Obdachlosigkeit. Die vormalige Sprachmittlerin für Englisch und Russisch bepflanzt jetzt als erfolgreiche Geschäftsfrau den »Miracle Garden Dubai« mit Sämereien aus Thüringen, der »Hippie« aus dem Altenburger Land ist inzwischen in der ganzen Welt umhergekommen, machte sein Hobby zum Beruf und hat als Filmemacher Preise ohne Ende eingesammelt, die Pastorin wurde Ministerpräsidentin, der NVA-Offizier startete als Investmentbanker in Manhattan durch und betreibt jetzt ein jüdisches Restaurant in Chemnitz. Die Galeristin stand am 6. Dezember 1990 plötzlich in einer fensterlosen Wohnung, die Eigentümerin aus Bayern hatte die Fenster zur Bekräftigung der Forderung nach Wohnungskündigung einfach ausbauen lassen.
Beim Lesen entsteht ein buntes Mosaik. Ein Buch, weitab der üblichen Klischees, erfrischend persönlich, erfrischend differenziert. (Verlagstext)