Bekanntes und Neues in der Bibliothek

Wir möchten Sie hier auf einige aktuelle Neuanschaffungen unserer Bibliothek aufmerksam machen. Und auf interessante Bücher, die wir sonst noch im Bestand haben…


Die Prager Botschaftsflüchtlinge 1989
Karel VodičkaVandehoek und Ruprecht, Göttingen 2014

1989 – was für ein schicksalhaftes Jahr! Im Herbst 1989 berührten sich deutsche und tschechische Geschichte auf besondere Art. Zehntausende DDR-Bürger flüchteten über Prag in die Freiheit. Die Berliner Mauer fiel. Die Ereignisse rund um die Prager Botschaft und die Massendemonstrationen in der DDR gaben den Tschechen und Slowaken einen mächtigen Impuls, auch in ihrem Land die Diktatur abzuschütteln. Nahezu zeitgleich brach dann das kommunistische Regime sowohl in der DDR als auch in der ČSSR in sich zusammen. Karel Vodička bündelt Geheimdienstdokumente und diplomatische Korrespondenz der Bundesrepublik Deutschland, der DDR und der ČSSR und deckt dadurch bisher völlig unbekannte Zusammenhänge der historischen Ereignisse auf, die den Zusammenbruch zweier kommunistischer Regime auslösten. (Verlagsinfo)


Damit hatten wir die Initiative verloren
Zur Rolle der bewaffneten Kräfte in der DDR 1989/90
Rüdiger Wenzke; Ch. Links Verlag, Berlin 2014

Ende der 1980er Jahre befand sich die DDR in einer tiefen Krise. Davon betroffen waren auch das ostdeutsche Militär und andere bewaffnete Organe. Der vorliegende Sammelband beschreibt, wie die SED-Führung im Sinne der eigenen Machterhaltung versuchte, die Waffenträger in der DDR zur Bewältigung der Krise einzusetzen. Die Autoren analysieren dazu die Lage in der Nationalen Volksarmee, den Grenztruppen der DDR, den Volkspolizei- Bereitschaften, den »Kampfgruppen der Arbeiterklasse« sowie in den sowjetischen Streitkräften. Eine Chronik und ein Dokumentenanhang ergänzen die Kernaussagen des Bandes. (Anmerkung: Dieses Buch enthält 35 Abbildungen und vier Karten.) (Verlagsinfo)


Operation Falsche Flagge
Wie der KGB den Westen unterwanderte
Arik K. Komets-Chimirri; be.bra wissenschaft verlag, Berlin 2014

Der 1949 in West-Berlin gegründete und von der CIA finanzierte „Untersuchungsausschuss freiheitlicher Juristen“ (UfJ) sollte sich der Aufdeckung rechtswidriger Verhältnisse in der DDR widmen. Arik K. Komets-Chimirri analysiert in diesem Band auf Grundlage seiner Untersuchung zur geheimdienstlichen Tätigkeit des Juristen Götz Schlicht [über Götz Schlichtbefindet sich ebenfalls eine Publikation in unserer Bibliothek] und der Sichtung zahlreicher Akten und Dokumente die Tätigkeit des UfJ, dessen Bekämpfung durch die Staatssicherheit der DDR und die parallel dazu verlaufende Unterwanderung durch den sowjetischen Geheimdienst. Die anfängliche Blauäugigkeit der CIA, die sehr viel Geld in den UfJ investierte und von der Unterwanderung nichts mitbekam, lässt sich nur dadurch erklären, dass dieser Geheimdienst erst 1947 entstanden war, während der sowjetische Geheimdienst über sehr viel mehr Erfahrung verfügte. (Verlagsinfo)


Auschwitz und Staatssicherheit
Strafverfolgung, Propaganda und Geheimhaltung in der DDR
Henry Leide; BStU Publikation Berlin, 2021

Das Vernichtungslager Auschwitz steht für den industriemäßig organisierten Massenmord an den europäischen Juden, eine schwere Hypothek für die beiden deutschen Nachkriegsstaaten. Die DDR-Führung versuchte, allein der Bundesrepublik hierfür die historische Verantwortung zuzuschieben und thematisierte die westdeutschen Versäumnisse bei der Ahndung der Verbrechen bevorzugt in ihrer Propaganda. Die Strafverfolgung im eigenen Land wurde jedoch der Dimension der Verbrechen und den Erwartungen der Überlebenden auch nicht gerecht. Die Studie betrachtet den Umgang der DDR mit „ihren“ Auschwitz-Fällen, insbesondere ihre widersprüchliche Strafverfolgungspraxis. Dabei zeigt sich in der Phase der DDR-Gründung zunächst ein starker Ahndungswille, aber gleichzeitig eine willkürliche und weithin untaugliche Wahrheitsfindung. Drakonische Bestrafungen selbst bei zweifelhafter strafrechtlicher Schuld stehen neben unterlassener Strafverfolgung in tatsächlich schweren Fällen. Später galt die Ahndung von NS-Verbrechen im eigenen Land als weitgehend erledigt, bei jedem in der DDR entdeckten Täter drohte ein Glaubwürdig-keitsverlust. Folgerichtig wurden entsprechende Informationen von der Staatssicherheit unter Verschluss gehalten. Ließ sich ein Fall nicht verbergen, wie 1966 beim Auschwitz-Arzt Horst Fischer, reagierte man schnell und hart, um den überlegenen Ahndungswillen der DDR zu demonstrieren. Aber in anderen Fällen wurde die Verwicklung von Ostdeutschen in NS-Verbrechen von der Geheimpolizei unter den Teppich gekehrt. So blieben auch Personen, die in den im Vernichtungslager Auschwitz begangenen Völkermord involviert waren, in der DDR ungeschoren. (Info des Herausgebers)


Catwalk wider den Sozialismus
Die alternative Modeszene der DDR in den 1980er Jahren
Andrea Prause; be.bra wissenschaft verlag, Berlin 2018

Parallel zum offiziellen Modeschaffen entwickelte sich in den 1980er Jahren in den urbanen Zentren der DDR eine alternative Modeszene aus Designern, Models, Fotografen und (Über-) Lebenskünstlern. Als Teil der vielfaltigen künstlerischen Subkulturen der ostdeutschen Republik artikulierte diese in Modenschauen, Performances und Mode-Theatern eine besondere Form des kulturellen Widerspruchs. Indem jene Mode und ihre provokante Inszenierung die ästhetischen wie moralischen Imperative des SED-Staates auf kreative Weise konterkarierte, geriet sie in das Fadenkreuz aus Überwachung, Repression, Duldung und Instrumentalisierung in der Diktatur und lies sich doch nicht von den obrigkeitlichen Strukturen zähmen.
»Catwalk wider den Sozialismus« vermittelt einen mit Fotografien, Interviews und Zeitdokumenten illustrierten umfassenden kulturhistorischen Einblick in eine schillernde Parallelwelt abseits von Anpassung, Tristesse und modischer Mangelgesellschaft. (Verlagsinfo)