Die Bibliothek wird gemeinsam vom Dokumentationszentrum und der Gedenkstätte Moritzplatz betrieben.

Hier gewinnen Sie einen Einblick über Neuanschaffungen und interessante Bücher aus unserer Bibliothek.

Besondere Vorkommnisse: Keine.

Erinnerungen eines Lehrers in der DDR. Hans-Dieter Waltz, Münster 2011.

"... ewiger Nörgler und Pessimist, nimmt durch mehr oder weniger staatsfeindliche Äußerungen zu nahezu allen Problemen eine oppositionelle Haltung ein...", diese Einschätzung eines Lehrerkollegen, der ihn als IM beobachtete, trifft ziemlich genau die Haltung des Autors zur DDR. Als Jugendlicher war Hans-Dieter Waltz durch Nationalsozialismus und Krieg, an dem er sich ab der neunten Klasse aktiv zu beteiligen hatte, maßgeblich geprägt worden. Seine Hoffnung, endlich in einem freien Land leben zu dürfen, wurde mit der Entwicklung in Ostdeutschland zunichte gemacht. In seinen Erinnerungen lässt Waltz die Zeit des Nationalsozialismus, die Nachkriegsjahre und die DDR wieder lebendig werden und ermöglicht dem Leser insbesondere einen Einblick in den Alltagund Entwicklung von Schule in der DDR. Nach der politischen Wende wirkte der promovierte Chemiker bei der Gestaltung der neuen demokratischen Ordnung auf kommunalpolitischer Ebene in vielfältiger Weise mit, obwohl sein Alter ihm Grenzen setzte. 2001 wurde er für sein Lebenswerk mit dem Bundesverdienstkreuz erster Klasse geehrt. (Verlagsinfo)

"Gegen die Angst, seid nicht stille"

Das geheime Tonband von Pannach, Kunert und Fuchts. Doris Liebermann, Halle/Saale 2022.

Herbst 1976, Leipzig. Die Liedermacher Gerulf Pannach und Christian Kunert sowie der Schriftsteller Jürgen Fuchts nehmen ein geheimes Tonband mit ihren Liedern und Texten auf. Zwei Musiker der im Jahr zuvor verbotenen Band "Renft" helfen dabei. Trotz Stasi-Überwachung gelingt es, das Tape in den Westen zu bringen. Die drei jungen Künstler werden wenige Wochen nach der Aufnahme verhaftet. Als westliche Sender ihr Band ausstrahleb, wird die Anklage erweitert. Doch es kommt nicht zum Prozess: Nach neun Monaten Untersuchungshaft werden sie, dank internationaler Proteste, nach West-Berlin ausgebürgert. Doris Liebermann schildert kenntnisreich die beklemmende Geschichte von Behinderung, Einschüchterung und Verfolgung der drei Künstler in der DDR, die ebenso einzigartig wie typisch für diese Zeit ist. (Verlagsinfo)

 

Rasende Eifersucht.

Authentische Kriminalfälle aus der DDR. Eveline Schulze, Berlin 2022.

Ein Toter auf dem Friedhof. Wo denn sonst, sagt der Polizist amüsiert, als der Pfarrer aus Eibau anruft. Und das zu Ostern, wo doch die Auferstehung gefeiert werde. Nein, tatsächlich, an der Friedhofsmauer liegt eine Leiche... Die Kriminalpolizei kommt und richtet im Pfarrhaus ihr Quartier ein. Und beginnt zu ermitteln. Sie braucht nicht lange, um herauszufinden, was Karfreitagnacht auf dem Gottesacker geschah. Eveline Schulze, einst selbst bei der Kriminalpolizei in ihrer Heimatstadt Görlitz tätig, berichtet wieder über drei Gewaltverbrechen, die sich in ihrer Region real zutrugen. [...] (Verlagsinfo)

 

Bonzenreise.

Auf großer Fahrt mit der "Völkerfreundschaft". Heinz & Tanja Stern, Polen 2018.

Leinen los für eine Reise in das ferne Jahr 1983, in eine Welt, die es nicht mehr gibt, und in die Psyche einer abgeschotteten Gesellschaft, die auch im Urlaub nicht frei sein konnte. "An Bord haben viele Genossen mir gesagt: Du bist doch Journalist, schreib was über dieses Erlebnis. Ich habe ihnen geantwortet: Ja, ihr habt recht, wenige Journalisten haben so einen großartigen Stoff. Und trotzdem werde ich nicht darüber schreiben, kann ich nicht darüber schreiben. Stellt euch doch mal den Leser vor. Da schildert ihm einer in schillernden Farben, wie schön die Welt ist. Und die Reaktion des Lesers kann nicht anders sein als Neid, als Unmut oder gar Wut darüber, dass er keine Möglichkeit hat, eine ähnliche Reise zu unternehmen, so dass er letzten Endes die Teilnehmer der Reise als "Bonzen" verfluchen wird, die genießen, was ihm selbst verschlossen ist." (Heinz Stern, 1983)

 

Nur raus hier!

18 Geschichte von der Flucht aus der DDR. Andree Kaiser (Hrsg.), Hollenstedt 2014

In diesem Buch erzählen 18 Menschen von ihrer Flucht aus der DDR. Sie schwammen durch die Ostsee. Sie krochen mit einer Kugel im Rücken durch die Wälder Österreichs. Sie webten mit einem Ballon über den Todesstreifen. Einige schafften es. Andere büßten dafür in den Gefängnissen der Staatssicherheit. Fotograf und Pulitzer-Preisträger Andree Kaiser ist einer von ihnen. Zum ersten Mal berichtet er von seinen Jahren in Haft und zeigt nie veröffentlichte Aufnahmen aus der berüchtigten Haftanstalt Hohenschönhausen. Er porträtiert Menschen, die bereit waren, für ihre Freiheit alles zu riskieren. 18 Geschichten gegen das Vergessen. (Verlagsinfo)

Geheimdienstmorde.

Wenn Staaten töten - Hintergründe, Motive, Methoden. Christopher Nehring, München 2022.

Der Anschlag auf Alexej Nawalny 2020, der "Tiergarten-Mord" an Zelimkhan Khangoshvili 2019 in Berlin oder die Ermordung Jamal Khashoggis 2018 in Instanbul - die neue Welle von Geheimdienstmorden in Europa wirft zahlreiche Fragen auf: Sind die uns bekannten Fälle nur die Spitze des Eisbergs? Wer gerät ins Visier von Geheimdiensten, wer sind die Täter? Wie werden die Morde organisiert und was sind ihre Konsequenzen? Der ebenso erschreckende wie spannende Bericht des Geheimdienstexperten Christopher Nehring bringt Licht in eine mysteriöse Welt im Schatten der Mächtigen. Nehring rekonstruiert über 120 Fälle, vom Zweiten Weltkrieg bis in die Gegenwart. [...] (Verlagsinfo)

Wir vom Jahrgang 1961.

Kindheit und Jugend. Uwe Fiedler, Gudensberg-Gleichen 2021.

Jahrgang 1961 - das war die Generation, die hinter der Mauer aufwuchs - mit Blickt zu den Sternen und nach dem Westen. Wir tranken "FrüchteC" und der Sandmann war unser Fernsehliebling. Wir übten Solidarität mit Vietnam, sammelten Altpapier für den Frieden und kämpften Angela Davis frei. Später hörten wir RIAS, trugen Stars-and-Stripes-Shirts, lasen verbotene Literatur und nahmen heimlich "Moscow! von Wonderland auf. [...] (Verlagsinfo)

 

Blick zurück.

DDR-Wirklichkeit und Fotografie 1967-1997. Harald Täger, München 2022.

Das fotografische Werk Jürgen Nagels bündelt sich zu einer Bestandsaufnahme des Lebens bis zum "letzten Tagder DDR". Auch einen Tag vor der offiziellen Wiedervereinigung Deutschlands vor 30 Jahren zog er mit der Kamera durch Ost-Berlin. Er dokumentierte, wie sich das Ende der DDR und die bevorstehende Wiedervereinigung im Stadtbild bemerkbar machte. Seine Aufnahmen von maroden Hauswänden mit politischen Botschaften, zerstörten Wahlplakaten und verblichenen DDR-Symbolen spiegeln die Ambivalenz dieses epochalen Umbruchs. Was die Fotografien Nagels zu einzigartigen Dokumenten macht, ist der Blick des Fotografen für das Absurde, für komische Details und Widersprüche. Nicht selten sind es Bilder, die es im Arbeiter- und Bauernstaat eigentlich nicht geben sollte. In seinen Miniaturgeschichten erzählt er von sich und dem Alltag in der DDR bis zur friedlichen Revolution und von der Zeit danach. (Verlagsinfo)

 

Die Delegierten.

Verdeckte Transfergeschäfte im DDR-Fußball. Frank Müller & Jürgen Schwarz, Berlin 2022.

In Zeiten astronomischer Ablösesummen scheint kaum noch vorstellbar, dass es auch im DDR-Fußball so etwas wie einen Transferbetrieb gab. Weil es den offiziell nicht geben durfte, nannte man die Spielerwechsel damals "Delegierungen". Fans ahnten und Funktionäre wussten, dass dabei oft Mittel angewendet wurden, die ganz und gar nicht zur sozialistischen Moral passten. Die Autoren erzählen die großenteils unbekannten Wechselgeschichten der DDR-Oberligen - von Joachim Streich, Hans-Uwe Pilz, Dixie Dörner, Dirk Schuster, Uwe Rösler, Lutz Lindemann und vielen anderen. (Verlagsinfo)

Stadiopartisanen.

Fußballfans und Hooligans in der DDR. Anne Hahn & Frank Willmann (Hrsg.), Halle/Saale 2021.

"Stasi raus!" und "Mielke in die Produktion!" waren Rufe, die es in der DDR nicht erst seit Herbst 1989 gab. Sie erklangen regelmäßig aus tausenden Kehlen in den Stadien der Republik. Haben Fußballfans einen Beitrag zum Ende der DDR geleistet? Waren die Fußballanhänger überhaupt politisch motiviert? Das Buch erlaubt einen einmaligen Einblick in die DDR-Fankultur. Hier kommen jene zu Wort, für die ihr Fußballverein Heimat war. Fans erzählen emotional von Auswärtsfahrten, Europacup, Dresscode, Schlägereien, Romantik und Knast. Neben den Fanberichten stehen die Erinnerungen einstiger Funktionäre, Journalisten und MfS-Mitarbeiter. Es ergibt sich ein faszinierende Bild über die Zustände der 1970er/80er Jahre in der DDR in den "sozialistischen Bruderländern" - weit über den Sport hinaus. (Verlagsinfo)

Wir vom Jahrgang 1962.

Kindheit und Jugend. Franziska Wolfram & Uwe Mörtel, Gudensberg-Gleichen 2022.

Jahrgang 2022 - das war die Generation, die lernte, dass man mit Rollenpflaster jeden Schaden beheben kann, sei es bei Teddybären oder Riffelglasscheiben. Wir badeten in "Bölosan" und packten die Eier in Quietschwatte. Am liebsten tranken wir Fassbrause und Obella oder Vita-Cola. Unser Taschenrechner war der Rechenschieber, wir trugen Jeans Marke "Goldfuchs" und liebten DT64. Bei uns war nichts "cool", aber alles "fetzte". Unsere Zukunft schien sicher zu sein und die Einheit Deutschlands war für die meisten unvorstellbar.  (Verlagsinfo)

Wir vom Jahrgang 1988.

Kindheit und Jugend. Julia Zipper & Anja Scholl, Gudensberg-Gleichen 2022.

Jahrgang 1988 - noch in der DDR geboren, wurden wir schick in Strick und Zekiwa-Kinderwagen ausgefahren. Doch bald füllten sich unsere Kinderzimmer und Kleiderschränke mit bunden Westwaren. Prall gefüllte Zuckertüten und bunte Schulranzen symbolisierten unsere Einschulung. Das technische Zeitalter mit Computer, Gameboy und Digitalkamera prägte unsere Jugend. Wir erlebten die Wende, die Attentate auf das WTC, die WM im eigenen Land und "wurden Papst". (Verlagsinfo)